OSTERN – nicht nur ein christliches Fest
Das Osterfest, vor allem als christliches Kirchenfest bekannt, hat seinen Ursprung schon viel früher in heidnischer, vorchristlicher Zeit. Schon damals freute man sich nach dem langen Winter über die sonnigen Tage und die ersten Blumen, die wieder Farbe in die Natur brachten. Auch die Tierwelt widmete sich nach überstandenem Winter wieder der Paarung und brachte Nachwuchs hervor. Das typische Symbol für die Fortpflanzung ist das Ei, das in den christlichen Osterbräuchen deshalb übernommen und farbenfroh gefärbt wurde. Der Hase galt schon immer als Symbol der Fruchtbarkeit, da er regelmässig für viel Nachwuchs sorgt. Es war dann eher eine deutsche Tradition, dass man den Hasen mit den Eiern in Verbindung brachte und ihm die ehrenvolle Aufgabe übertrug, die farbigen Eier zu den Kindern zu bringen.
Bei uns zuhause versteckte der Vater an Ostern immer die farbigen Eier im grossen Garten und wir versuchten mit Körbchen ausgestattet möglichst viele der begehrten Objekte zu finden. Nicht immer wurden alle versteckten Eier auch wirklich im gleichen Jahr noch gefunden. Wenn eines der Eier erst ein Jahr später entdeckt wurde, verriet der schwefelhafte Gestank in der Küche schon bald, wie lange es wohl im Garten gelegen hatte…
Erstaunt nahm ich später zur Kenntnis, dass andere Familien nicht nur die farbigen Eier sondern ganze Osternestchen im Garten versteckten. Nun, zumindest läuft man dabei wohl weniger Gefahr, eines der Nestchen zu übersehen.
Natürlich gab es auch bei uns zuhause Schokohasen und Schokoeier, diese wurden allerdings nicht versteckt, sondern im gemeinsamen Nest aus grüner Holzwolle deponiert. Es bekam auch nicht jedes der fünf Kinder einen eigenen Schokohasen zugesprochen. So lernten wir zu teilen und für die Zähne war es wohl auch gesünder als die Schokoladenhasen-Flut, die auf die Kleinen heute niederprasselt.
Ebenfalls traditionell war nach dem Eiersuchen das Eiertütschen am Abend, zu dem feiner Kartoffelsalat mit Bärlauch serviert wurde. Noch heute versammeln wir fünf Geschwister uns jeweils zu Ostern, um gemeinsam in Erinnerungen an frühere Osterfeste zu schwelgen und das liebgewonnene Ostermenu zu geniessen.
Auch der Garten zeigt sich um Ostern herum immer wieder von seiner schönsten Seite. Es blühen Osterglocken, Narzissen, Tulpen, Hyazinthen, Primeln, Vergissmeinnicht und Christrosen. Gelb, Rot und Blau dominieren im Garten und leuchten mit dem saftigen Grün um die Wette. Je nachdem wie früh oder spät der Ostertermin fällt, sind auch bereits die ersten Blüten der Aprikosen-, Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume zu sehen. Wie weisse Wölkchen zieren sie die Obstbäume und locken die summenden Bienen an. Bleibt nur zu hoffen, dass der Frost nicht noch einmal zuschlägt.
Die Tierwelt präsentiert uns in der Osterzeit ihren Nachwuchs. Es werden April-Kätzchen geboren, das Osterlamm und die Kälbchen staksen auf ihren dünnen Beinen über die Wiesen und tun sich am saftigen Klee gütlich. Eine idyllische Harmonie, bei der man manchmal fast vergisst, dass die süssen Lämmchen und Kälbchen vielleicht schon bald zur Schlachtbank geführt werden. Ein Grund mehr, sich dem Vegetarismus zuzuwenden und die Eier und den Bärlauch doppelt zu geniessen.

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