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Frisuren

Frisuren

 

und was sie aus ihren Trägern und Trägerinnen machen

 

Eine neue Frisur

 

Eigentlich ist es nicht einmal eine neue Frisur, die ich nun seit einigen Monaten trage, sondern nur eine neue Haarfarbe. Nach dreissig Jahren Haare dunkel tönen habe ich mich entschieden, der Natur ihren freien Lauf zu lassen und dass die grauen oder sogar schon weissen Haare zum Vorschein kommen dürfen. Bereut habe ich es nicht, denn ich fühle mich wohl und richtig darin.

Einige erstaunte Gesichter gab es zu Anfang, einige Komplimente auch und etwaige negative Kommentare wurden zum Glück verkniffen. Soweit also alles in Butter.

 

Zurück bleibt das Nachdenken über Frisuren: Was sagen sie über uns aus? Wieso musste ich meine Haare dunkler färben? Um jünger und attraktiver auszusehen? 

Früher waren weisse Haare ein Zeichen der Erfahrung und Weisheit, also durchaus ein anzustrebendes Attribut. Und warum erscheinen uns meistens die grauen Haare bei Männern attraktiver als bei Frauen? Ein Mann soll also erfahren und weise sein, wo hingegen eine Frau vor allem hübsch und jung sein soll. Vielleicht so ein erstrebenswertes-Gen-Weitergabe-Ding, denke ich. 

 

Obwohl ich mich nie gross um meine eigene Frisur gekümmert habe – einmal morgens durch die Haare wuscheln und gut ist es – waren für mich die Frisuren der anderen immer sehr wichtig. Da ich an einer leichten Form von Prosopagnosie – eher Prosopamnesie (Gesichter am Anfang schlecht wieder erkennen können) leide, orientiere ich mich sehr häufig an der Frisur/Haarfarbe und Kleidung des Gegenübers. Ich konnte zum Beispiel Eltern, die ich am ersten Schultag kurz gesehen hatte, am Elternabend ein paar Wochen später nicht mehr wiedererkennen, vor allem wenn sie an den Haaren etwas verändert hatten. Das führte oft zu etwas peinlichen Situationen, denn ich wollte nicht unhöflich erscheinen, aber für mich standen da manchmal wildfremde Personen im Raum.

 

Ein Phänomen sind für mich auch seit Jahren die Personen, die für unsere Haarpracht verantwortlich sind, die Coiffeusen und Coiffeure. Was sie mit ihren zielsicheren Handgriffen und erstaunlicher Leichtigkeit aus unseren Haaren zaubern können, ist einfach unglaublich. Bei meiner Lieblingscoiffeuse ist es sogar so, dass wir eigentlich 1-2 Stunden lang über Gott und die Welt philosophieren und am Schluss ein rassiger Haarschnitt mein Haupt ziert. Ein Hoch auf alle HaarschneiderInnen dieser Welt und ihren wunderbaren, wenn auch oft unterbezahlten und doch unersetzlichen Beruf – man erinnere sich nur an die Corona-Zeit zurück!

 

Und dann noch ein letztes Plädoyer für die Individualität: Es muss einem nicht alles gefallen, was so auf den Köpfen getragen wird, aber seien wir doch so tolerant, jedem seine Individualität und seine Ausdrucksweise zu gönnen, ohne sie zu verurteilen. Manch einer wäre froh, er hätte überhaupt noch Haare auf dem Kopf – wobei ich die kahlen Köpfe meines Mannes und meines Sohnes über alles liebe. Sie stehen mutig dazu, wie ich jetzt zu meiner viel helleren Haarfarbe. Jedem das Seine!

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