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Samichlaus

Samichlaus: Warum der Nikolaus-Tag für mich der schrecklichste Tag im Leben war und weshalb dies heute anders ist:

 

Samichlaus – vom Angstmacher zum Menschenfreund

 

Der schlimmste Tag in meiner Kindheit war immer dann, wenn der Samichlaus kam. Ich zitterte vor Angst, was er mir wohl dieses Jahr wieder vorhalten würde. Dabei war mir gar nicht bewusst, wo ich etwas falsch gemacht haben könnte. 

Wir sassen also im Familienkreis in der guten Stube und der Nikolaus rief ein Kind nach dem anderen auf, nach vorne zu ihm zu kommen. Meiner „Missetaten“ entsinne ich mich nicht mehr, umso mehr aber an den grossen Jutesack, den der Nikolaus anschliessend ausleerte. Eifrig sammelte ich die auf dem Boden liegenden Nüsse, Mandarinen und Lebkuchen auf und legte sie in den bereitstehenden Korb. Damit wollte ich wohl schon für das nächste Jahr einen guten Eindruck schinden…

 

Der furchterregende Schmutzli drohte zum Schluss noch einmal mit der Rute und liess sie als Warnung bei uns zuhause liegen. Einmal nahm er sogar meine Schwester in seinem grossen Jutesack mit – dies blieb mir noch lange Zeit als ängstigendes Beispiel in Erinnerung.

Wie anders wird doch der Nikolaus-Brauch heutzutage gehandhabt! Der Laufzettel, mit dem man sich und vor allem die Kinder für einen Besuch anmelden kann, enthält den Hinweis „Bitte nur positive Sachen aufschreiben!“ Ich gönne es den Kindern, dass sie nun voller Zuversicht und Freude auf den Nikolaus warten können. Dies entspricht auch viel eher dem ursprüngliche Nikolaus von Myra, der als grosszügiger Kinderfreund galt und die Armen beschenkte.

 

Als unsere Kinder noch klein waren, machten wir auch meistens gute Erfahrungen mit den Nikoläusen. Unsere Tochter wurde zum Beispiel einmal im Kindergartenalter vom Samichlaus gefragt, welches denn ihre Lieblingsmusik sei. Daraufhin tanzten der Nikolaus und sie zu DJ-Bobo-Musik durch die Stube – ein herrliches Bild! Auch die Gedichte und die Zeichnungen, die sie dem Samichlaus schenkten, wurden gebührend beachtet und gelobt. Dass am Schluss nach dem Nikolaus-Besuch auch noch die Stiefelchen mit einem Pocahontas-Buch oder König-der-Löwen-Video gefüllt waren, rundeten das schöne Erlebnis wunderbar ab.

So habe ich den Nikolaus auch in meiner Zeit als Lehrperson an der Schule immer nur positiv erlebt. Er erzählte zum Beispiel, wie der Brauch des Nikolaus überhaupt entstanden ist. Die Kinder durften stolz seinen Stab halten und er trat auch in den Dialog mit ihnen. Natürlich wies der Samichlaus die Schüler und Schülerinnen auch ab und zu darauf hin, was sie vielleicht noch besser machen könnten. Aber in diesem vertrauensvollen Rahmen war das durchaus in Ordnung. Ausserdem fand er ebenfalls für jedes Kind lobende Worte und eine Belohnung für die ganze Klasse in Form von Grittibänzen, Lebkuchen, Mandarinen und Nüssen war selbstverständlich.

 

Selbst als Handballtrainerin versuchte ich stets, den schönen Nikolaus-Brauch auch im Verein aufrecht zu erhalten. Nicht selten verkleidete ich mich dabei selbst als Nikolaus und notierte die Stärken der Spielerinnen und die Tipps für die Zukunft in meinem grossen Buch. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass ausschliesslich lobende Worte einen Menschen nicht unbedingt vorwärtsbringen. Wohlwollende Kritik am richtigen Ort ist durchaus angebracht. Vor allem wenn diese Verbesserungstipps nicht mit Angst sondern mit Vertrauen verbunden sind. So wird der Nikolaus vom gefürchteten Angstmacher zum wahren Menschenfreund.

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