Mein erstes Eidgenössisches
Es stand schon lange auf meiner Bucket List, einmal ein Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest zu besuchen. Vor drei Jahren war es dann soweit, wir hatten tatsächlich das Glück zwei der heiss begehrten Billette für beide Tage am ESAF in Pratteln zu erhalten. Möglich war dies, da Tano einen der Berner Schwinger mental für das Grossereignis vorbereiten durfte.
Gespannt reisten wir am frühen Morgen im Zug Richtung Pratteln. Schon im Abteil war man im Kreise der Schwingerfamilie und es herrschte eine herzliche und lockere Atmosphäre. Auf der Fanmeile wurden wir mit Merchandising-Artikeln eingedeckt und konnten im Strom der Tausenden von Schwingfans dem Festgelände zustreben. Die Dimensionen des 50‘000 Besucher fassenden Stadions waren riesig und doch konnten wir unbedrängt zu unseren Sitzplätzen gelangen. Einzig die WC-Anlagen waren etwas überfüllt und das Konzept des Anstehens noch nicht ganz durchdacht.
Der Rucksack wurde nicht kontrolliert, man durfte also unbehelligt ein Messer für das Picknick mitnehmen. Gewaltszenarien waren weit weg und dies an einem Anlass, an dem es eigentlich nur darum ging, Gewalt auszuüben und den Gegner zu bodigen – allerdings alles in friedlichem Rahmen. Diese Konstellation ist einzigartig und bewundernswert. Respektvoll wird beim Schwingen dem unterlegenen Gegner jeweils das Sägemehl vom Rücken gewischt und auch die Fans kennen nur Applaus und keine Buhrufe. Fairness über alles!
Die fünf verschiedenen Schwingverbände und ihre auserkorenen Teilnehmer wurden vorgestellt und schon ging es los mit dem Anschwingen. Es war faszinierend, den starken Männern in ihren Zwilchhosen bei der "Arbeit" zuzuschauen. Dabei lernte ich, dass beim Kampf der erste im Alphabet immer die hellen Hosen trug, während der andere mit den dunkleren Hosen vorlieb nehmen musste. Wir fieberten natürlich mit dem Innerschweizer Schwingverband mit, wo wir mit Wicki Joel (stets in den dunklen Hosen) einen der Kronfavoriten in den eigenen Reihen wussten. Nach dem ersten Tag lagen die Innerschweizer Wicki und Reichmuth tatsächlich gut im Rennen und der von Tano betreute Berner gar auf dem 5. Zwischenrang. Das ganze ESAF-Gelände glich einer riesigen Festhütte und überall herrschte eine gute Stimmung.
Am nächsten Morgen reisten wir nochmals früh an und verfolgten noch etwas verschlafen den farbenfrohen und traditionellen Festakt mit Fahnenschwingen, Alphornblasen, Musik und Tanz. Auf der Tribüne gehörte man zur Gemeinschaft der Schwingfans sofort dazu und war mit jedem Zuschauer per du. Wenn man mal austreten oder sich verpflegen musste, konnte man seine Sachen getrost am Platz liegen lassen - gestohlen wird an einem Schwingfest nichts.
Als Höhepunkt durften wir den Schlussgang mit Wicki Joel und Aeschbacher Matthias erleben. Wir litten mit dem Innerschweizer mit, der am Ende seiner Kräfte zu sein schien. Doch nach 12 Minuten fasste er sich ein Herz und legte den Gegner auf den Rücken. Der Jubel der Innerschweizer war unbeschreiblich. Dass der neue Schwingerkönig beim Interview noch eine Mütze mit der Aufschrift „TANNER“ trug, setzte für uns dem Ganzen noch die Krone auf.
Es war ein riesiges Erlebnis für uns beide, das wir unseren Lebtag nicht mehr vergessen werden. Auch ohne Edelweiss-Hemd waren wir Teil einer grossen Gemeinschaft, für die das friedliche Zusammensein eine Selbstverständlichkeit war. Einfach beeindruckend!
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