Sonnenblume – meine Lieblingsblume
Seit jeher war die Sonnenblume meine Lieblingsblume. Die stolze Rose, fand ich, passt eher zu einer Frau mit Stöckelschuhen und lackierten Fingernägeln. Dagegen hatte es mir als ungeschminkter Turnschuhträgerin die rustikale Sonnenblume viel mehr angetan. Ausserdem liebe ich den Sommer und strecke meinen Kopf gerne der Sonne entgegen, wie dies die Knospen der Sonnenblumen auch tun. Sie sind heliotrop, das heisst sie folgen dem Stand der Sonne. Allerdings tun sie dies nur so lange, bis ihre Blüten offen sind, dann bleiben sie meist Richtung Osten ausgerichtet.
Den ganzen Prozess vom Stecken des Kerns in die Erde bis zur meterhohen Sonnenblume zu beobachten, ist immer wieder faszinierend. Nach wenigen Tagen erscheinen schon die beiden kräftigen Keimblätter und jetzt hat man nur noch die Aufgabe den Keimling vor Schneckenfrass zu schützen, denn die Schnecken haben Sonnenblumenkeimlinge zur Leibspeise erkoren. Sobald der Stängel jedoch rauer und behaarter ist, sind die schleimigen Dinger zum Glück nicht mehr so erpicht darauf.
Jahrelang gab es bei mir im Garten nur kümmerliche kleine Sonnenblumen trotz diversen Düngeversuchen. Dann säte ich den Samen einmal vor einer Stützmauer und siehe da, die abstrahlende Wärme behagte den sonnenliebenden Blumen und sie gedeihen seither prächtig. Mittlerweile säen sie sich von selbst aus und ich brauche sie nicht mehr in grossen Joghurt-Bechern zu züchten.
Die Anordnung der Sonnenblumenkerne ist immer spiralförmig und die Anzahl der Spiralen entspricht erstaunlicherweise stets einer Fibonacci-Zahl (also 21, 34, 55, 89 usw.). Ausserdem sind die Kerne in einem goldenen Winkel von genau 137.5 Grad angelegt, damit sie den Raum und die Sonne optimal ausnutzen können. Ein echtes Meisterwerk der Natur!
Im Sommer summt und brummt es stets rund um die Sonnenblumen und viele Insekten von Bienen über Fliegen bis zu den Hummeln suchen ihren Nektar darin. Meine Sonnenblumen sind auch reich an Pollen, was zwar beim Einstellen in einer Vase in der guten Stube zu gelben Teppichen führt, dafür finden aber die Insekten eine wichtige Proteinquelle, die bei pollenfrei gezüchteten Sorten fehlt.
Den schönsten Nebeneffekt haben die Sonnenblumen allerdings im Spätsommer und Herbst. Jetzt locken sie nämlich die wunderbaren Distelfinke an. Die farbenfrohen Vögel tun sich gütlich an den Sonnenblumenkernen und es ist sehr interessant, die scheuen Tiere beim Knacken der Kerne und Ausspucken der Schalen zu beobachten.
Wusstest du eigentlich, dass die Distelfinke so bunt sind, weil Gott beim Erschaffen nur noch wenige Farbreste übrighatte und diese auf den Distelfinken verteilte?
Und übrigens: Da ich Sonnenblumen so liebe, schenkt mir mein Tano jedes Jahr zum Geburtstag und zum Hochzeitstag einen schönen Strauss davon. Böse Zungen behaupten nun, dass mein Gemahl mich nur deshalb ausgerechnet an meinem Geburtstag geheiratet hat, um mir lediglich einmal jährlich Blumen schenken zu müssen…
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