Holunder
Er ist blütenweiss im Frühling sowie schwarz im Sommer und ohne ihn gäbe es keinen „Hugo“-Drink. Wieso der Holunder mehr ist als nur eine Pflanze, erfährst du in diesem Blog-Beitrag.
Der Holunder, mehr als nur ein gewöhnlicher Strauch
Da mein Mann vor allem diejenigen Bäume liebt, die etwas abwerfen, haben wir schon früh einen Holunderstrauch im Garten gepflanzt. Irgendwie behagte ihm (dem Holunder, nicht meinem Mann!) aber sein Standort nicht und er verkümmerte leider mit der Zeit. Zum Glück verrichtete aber ein Vogel sein Geschäft in der Nähe unseres Komposthaufens und liess offensichtlich dort einen Holunderkern liegen. Hier in der Nähe des Hauses, zwischen Kompost und Veloständer, gedieh der wilde Holunderbaum prächtig und wuchs jedes Jahr beachtlich. Im Frühling kommen wir nun in den Genuss des unverwechselbaren Holunderblüten-Duftes und einem Meer von weissen Blüten. Selbstverständlich versuchen wir auch den süssen Duft im Sirup einzufangen – nicht zuletzt deshalb, um später den feinen Hugo-Drink anbieten zu können. Dabei bevorzugen wir die gut geöffneten, fast schon verblühten Dolden, denn sie verströmen das intensivste Aroma. Unser favorisiertes Rezept kommt sogar ganz ohne Kochen aus. Derweil taucht unser Nachbar die köstlichen Blüten in Bierteig und frittiert sie anschliessend. Auch sehr lecker!
Natürlich lassen wir immer ganz viele Dolden übrig, die wir dann im Sommer als Beeren ernten können. Achtung: Holunderbeeren sind botanisch gesehen eigentlich keine Beeren sondern Steinobst (!) und die rohen Beeren sind giftig.
Sobald die Holunderbeeren schön dunkel sind, beginnt die etwas mühsame Ernte. Mit einer Teleskopstange, dem sogenannten Obstpflücker, rücken wir den Dolden nun zu Leibe. Meist übernimmt mein Mann die Schneidearbeit, während mir das Fangen der Holunderbeeren übrigbleibt. So manche Dolde findet auch den Weg auf meinen Kopf oder in den Ausschnitt, was jeweils für ordentliches Gelächter sorgt.
Jetzt folgt die Fleissarbeit beim Abstrupfen der Beeren. Dabei achten wir darauf, keine grünen Beeren und keine Stiele zu sammeln. Beim Einkochen der Beeren zu Konfitüre gibt es verschiedene Rezepte. Wir verzichten auf das Aussieben der Kerne, denn es hat bei uns bis jetzt noch nie zu Bauchschmerzen oder Schlimmerem geführt. Ebenfalls fein ist der Holunderbeeren-Sirup, der allerdings etwas aufwändiger herzustellen ist. Als Heilmittel gegen Husten und Fieber hilft er uns im Winter bei Erkältungen und Grippe.
Ist dir auch schon aufgefallen, dass fast vor jedem Bauernhof ein Holunderbaum steht? Dies hat eine tiefere Bedeutung, denn der Holunder soll böse Geister abwehren und Haus, Hof, Mensch sowie Tier schützen. Er symbolisiert Fruchtbarkeit und soll helfen für Nachwuchs zu sorgen. Die vielen Geburtstafeln an den Bauernhöfen überzeugen uns von der Richtigkeit dieses Mythos. Der Holunder ist ein heiliger Baum und soll als Baum des Lebens niemals gefällt werden. Unser geliebter Holunder bleibt uns also bestimmt noch ein Weilchen erhalten.

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